Bei Marilyn Monroe fallen uns ihre Filme, das Foto mit dem hochwehenden weißen Kleid und vor allem ihr Gesicht ein: als Pop-Art, plakativ und farblich übersteigert. In unser kollektives Gedächtnis, auf unzählige Poster und in unsere Wohnungen haben es vornehmlich die Bilder von Andy Warhol geschafft.
Die Marilyn eines anderen Malers der 60er Jahre durfte ich vor einiger Zeit in Offenbach bewundern. Die Bilder des Amerikaners James Francis Gill.
Ich hatte keine Lust darauf.
Aber versprochen ist versprochen.
Warum ich nicht motiviert war? Weil die inflationären Marilyn-Portraits mich nichts zu sehen erwarten ließen, was nicht schon gesehen hatte. Ich war satt.
Die Galeristin macht ihren Job mit Leidenschaft. Sie führte uns gekonnt und in bester Gastgeberinnen-Manier durch das denkmalgeschützte Haus und die Ausstellung. Sie nahm sich fast drei Stunden Zeit für uns. Uns, eine Gruppe von Kunstinteressent*innen, von denen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen konnte, dass niemand von uns eines der hoch fünfstelligen Unikate kaufen in würde.
Sie ließ es uns nicht spüren.
Scheiden tut weh
Wirklich spannend ist, dass James Francis Gill der einzige noch lebende Vertreter der Pop-Art-Gilde seiner Zeit ist. 90-jährig reist er noch heute um die Welt, um seine Marilyn-Portraits in Galerien zu promoten. Unter anderem in Offenbach. Er macht es nicht nur aus Freude, sondern auch, weil er durch diverse Scheidungen sein Vermögen eingebüßt hat.
Die Galeristin schenkte Wein aus, berichtete von ihrem gemeinsamen Abendessen mit James Fancis Gill, zeigte uns ein Video des Künstlers, erzählte Anekdoten aus seinem Leben, besprach jedes Gemälde, beantwortete jede Frage. Sie gewährte uns Einblicke in eine sorgsam geöffnete Schachtel mit 10 großen Marilyn-Kunstdrucken – und am Ende der Veranstaltung wäre ich bereit gewesen, zwei der wirklich hervorragenden Bilder zu kaufen!
Auf der Heimfahrt fiel mir die Analogie zu einer Tupperparty auf. Mehrere Stunden volle Konzentration auf ein Produkt, den passenden Deckel, die Variabilität der Schüsseln und die zukunftssichere, gute Investition. Direktvertrieb funktioniert auch mit Kunst.
Die Schachtel mit den Marilyn-Prints kostet übrigens 30.000 €. Die Wertsteigerung nach dem Ableben von James Francis Gill wurde von der Galeristin in Aussicht gestellt. Greifen Sie zu!