In der Grundschule fragte uns unsere Lehrerin, womit man länger überleben könne: Mit gekochten Kartoffeln oder mit Wasser? Das war einfach. Die Antwort lag auf der Hand und so reckte ich trotz aller Schüchternheit spontan mein dünnes Kinderärmchen mit Vehemenz Richtung Decke. Bereit, der Lehrerin und der ganzen Klasse mit Überzeugung entgegenzuschmettern: „Mit Kartoffeln! Denn die sind ja schon im Wasser gekocht!“
Als Peinlichkeit einen Namen bekam
Ich kam nicht dran und als ich hörte, dass meine Antwort falsch war, spürte ich zum ersten Mal in meiner Erinnerung dieses unangenehme Gefühl in mir emporkriechen, von dem ich später lernte, dass es Peinlichkeit heißt.
Peinlichkeiten sind mir in meinem Leben schon circa 11.724 Mal passiert.
Zum Beispiel später in Englisch im Gymnasium, als ich auf die Frage nach den Vorfahren der Menschen den Affen mit dem Esel verwechselte und statt monkey „donkey“ sagte.
Oder als junge Frau bei einer externen Schulung, als ich nach dem Besuch der Toilette Teile des rückwärtigen Volants meines kurzen, weit schwingenden Rocks versehentlich in den Bund meiner Strumpfhose gesteckt hatte. Bemerkt habe ich das erst nachdem ich auf dem Hotelflur strammen Schrittes zwei männliche Kollegen überholt habe und ihnen einen skurrilen Anblick meiner Rückseite geboten habe.
Das Gute ist: je älter ich werde, umso mehr egal sind mir solche Fehltritte. Vielleicht passieren mir auch nicht mehr so viele.
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Ich schreibe sie mit sehr viel Herzblut, Engagement und Liebe. Es macht mir Spaß, Dinge aufzuschreiben, die ich erlebt habe und die mich beschäftigen. Sie bringen mich selbst in die Reflektion. Nicht unbedingt, was die geschilderten Peinlichkeiten betrifft, sondern meine Sicht auf Farben und deren Wirkung, auf Malerei, und auf Kunst-Themen, die ich versuche auf einigermaßen unterhaltsame Weise nahezubringen. Ich hoffe sehr, dass Ihnen das Freude macht. Auch für mich entwickeln sich diese Texte zu einem wertvollen Puzzleteil, das meine Gedankenwelt und meine Kreativität bereichert. Das genau wünsche ich mir auch für Sie.
Ist das Mist?
Deswegen berührte es mich auch nicht im Geringsten unangenehm, als mir ein Mann auf meinen Newsletter antwortete: „Das ist Mist“.
Vielleicht ist genau das der Punkt: dass nicht alles gefallen muss – solange es berührt, bewegt oder zum Weiterdenken einlädt.
Ich schreibe weiter – für mich, für meine Gedanken und für alle, die Lust haben, sie ein Stück zu begleiten. Und so bleiben diese Texte ein Ort für Farben, Gedanken und das mutige Unperfekte.
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