Vor ein paar Tagen bin ich einer Einladung zu der Veranstaltung "Was ist Kreativität?" ins FIAS-Forum nach Frankfurt am Main gefolgt. Ein Wissenschaftler widmete sich den Sternstunden menschlicher Kreativität, der aktuellen Forschung und der Frage: Wer ist kreativer?
Der Wissenschaftler, Prof. Dr. Matthias Kaschube, zeigte 3 verschiedene Stufen der Kreativität auf. Ohne die einzelnen Stufen wissenschaftlich genau benennen zu können, ging es bei der niedrigsten Kreativitäts-Stufe um Menschen, die neues erschaffen mit Mitteln, die schon da sind.
Bei einem neuen Bild bedient man sich meistens an Papier, Leinwänden oder sonstigen Malgründen. Man verwendet Stifte, Pinsel, vielleicht sogar Stöcke oder ähnliche Hilfsmittel und erschafft damit ein idealerweise komplett neues Kunstwerk, das die Welt noch nie gesehen hat. Trotzdem kommt man mit diesem Vorgehen nicht über Stufe 1 hinaus, denn Pinsel, Farben und Leinwand waren vorher schon da.
Auf die zweite Stufe hat es beispielsweise der Buchdruck geschafft. Gutenberg, so heißt es, wurde dazu von den Weinpressen des Kloster Eberbach inspiriert und entwickelte diesen Geistesblitz weiter, in dem er Buchstaben (die es schon gab) mit einer völlig neuen Technologie verknüpfte und per Druck die Vervielfältigung von Texten revolutionierte.
Ein zweites Beispiel? Mit Stufe 2 wurde Einstein gewürdigt, weil er mit seiner Relativitätstheorie eine neue Sichtweise auf die Objekte im Raum schuf. Nach seiner Theorie waren nicht nur Objekte innerhalb eines Raumes veränderbar, sondern auch der Raum selbst. (Alle Physiker unter Ihnen werden jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, ob meiner hanebüchenen Beschreibung, aber besser kriege ich es echt nicht hin).
So, und jetzt denken Sie mal nach: Welche kreative Meisterleistung ist Ihrer Meinung nach auf der höchsten Stufe angesiedelt? (Ich dachte an die Navigation auf den Weltmeeren mit Hilfe der Sternbilder, weil ich das einfach völlig unglaublich finde. Aber die Sterne gab es ja schon, also konnte dieser Gedanke nicht stimmen).
Versetzen Sie sich in das Indien des 7 Jahrhunderts. Dort wurde nämlich die Zahl 0 erfunden. Und die hat die Mathematik erst möglich gemacht.
Ich habe größte Hochachtung vor solch phänomenalen Geistesleistungen. Trotzdem fühle ich mich auf der ersten Stufe der Kreativität sehr wohl, mehr noch: es ist gar nicht selbstverständlich, malen zu können, obwohl es für mich nahezu das normalste der Welt ist. Naja, stimmt nicht ganz, aber auf jeden Fall kann ich so wunderschöne Bilder malen, wie dieses hier, das sich wegen seines Formats super hinter Ihrer Couch oder über Ihrem Sideboard macht.
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